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Studien - Internet kennt kein Alter
  • 12.07.2017

Studie "Internet kennt kein Alter: Digitales Wälderleben" veröffentlicht

Titelbild der Studie

Verbraucherinnen und Verbraucher im ländlichen Raum werden im Umgang mit elektronischen Geräten und dem Internet immer kompetenter. Ihr Aktivitätsraum bleibt dadurch erhalten und die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe erweitern sich.

Dies möchte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) nachhaltig unterstützen. Doch wie kann diese Zielgruppe der älteren Menschen im ländlichen Raum bedürfnisorientiert gefördert werden? Und durch welche Aktivitäten können Kompetenzen zum Verbraucherschutz im Internet, beispielsweise beim Onlinebanking oder Onlineshopping, gestärkt werden?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurde vom MLR 2015 eine Studie in Auftrag gegeben. Das Team um Prof. Dr. Stefan Selke und Dr. Biniok von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Furtwangen HFU ging dem Thema des kompetenzorientierten Verbraucherschutzes für Seniorinnen und Senioren in ländlichen Regionen nach. Beim Projekt "Internet kennt kein Alter: Digitales Wälderleben"* wurden ältere Menschen angesprochen, welche digitale Medien und das Internet aktiv nutzen.  Ziel war es, ihre  digitale Souveränität als Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken.

* unter Wälder werden umgangssprachlich die im Schwarzwald lebenden Menschen verstanden

Methode

Verbraucherschutz und Verbraucherbildung bedeutet nicht nur, über Rechte aufzuklären, so die Autoren der Studie. Vielmehr sollten Verbraucherinnen und Verbraucher befähigt werden, fundierte Entscheidungen beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen zu treffen. Um erfolgreichen Verbraucherschutz anbieten zu können, wurde die Frage gestellt: "Welche Maßnahmen sind aus der Sicht der Bevölkerung nötig und welche Strategien möglich?"

In kleinen Diskussionsrunden wurde zunächst eine Bedarfsanalyse durchgeführt. Diese sollte herausfinden, was sich Verbraucherinnen und Verbraucher von der Verbraucherpolitik wünschen. Anschließend wurde in Kooperation mit der Volkshochschule Oberes Bregtal ein zweiteiliges Kurssystem erstellt. In einem ersten Schritt hielten Expertinnen und Experten Vorträge, in denen kleine Gruppen von ca. 15 Personen Inhalte verständlich vermittelt wurden. Darauf aufbauend wurden Workshops angeboten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr neu erlerntes Wissen auf Laptops und Tablets anwenden konnten.

Ergebnis

Die Durchführung des Projekts hat zu verschiedenen Erkenntnissen geführt. Einerseits wurden die Inhalte von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv aufgegriffen, weil zentrale Themen wie Datenschutz und Datensicherheit verständlich erklärt wurden. Zum anderen wurde das Format der Werkstätten mit der Interaktion zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als motivierend empfunden.

Daraus zieht die Studie den Schluss, dass Verbraucherschutz nicht nur auf technischer und rechtlicher Ebene stattfinden solle. Vor allem müsse dieser lokal adaptiert werden und sich auf einer sozialen Basis gründen. Dann könne auch langfristig dazu beigetragen werden, dass Verbraucherschutz nicht ausschließlich mit informativer Belehrung, sondern auch mit praktischem Einüben in Verbindung gebracht werde. In diesem Zusammenhang hat sich die Volkshochschule inzwischen als zentraler Ort für digitale Bildung etabliert. Gerade die digitale Bildung stellt sich als wichtiger Aspekt des Verbraucherschutzes heraus, mit der Eigenverantwortung nachhaltig gefördert wird.

Empfehlung

Die Studie schließt mit konkreten Handlungsempfehlungen, welche sich an vier Bereichen orientieren:

  1. Das Leitbild eines Verbrauchers sollte für einen zielgerichteten Verbraucherschutz auf verschiedene Nutzergruppen angepasst sein.
  2. Für einen kompetenzorientierten Verbraucherschutz sollten Maßnahmen explizit auf die Nutzung des World Wide Web ausgerichtet werden. Statt rein zu informieren, sollte Verbraucherschutz auch das praktische Einüben von Maßnahmen vornehmen.
  3. Eine erfolgreiche Lernumgebung wäre dann gegeben, wenn Kurse mindestens in die Module Vortrag und Werkstatt unterteilt und gruppendynamische Prozesse vorhanden sind. Beides könnte durch lokale Initiativen unterstützt werden.
  4. Um verbraucherschutzorientierte Strukturbildungsprozesse anzustoßen, ist der Einbezug von Dritten, wie lokalen Bildungseinrichtungen oder Kommunen, unerlässlich. Diese sollten gemeinsam mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern Maßnahmen in lokale Strukturen übertragen.

Zusammenfassend betrachtet unterstützt die Studie drei Kernpunkte:

  • Um Seniorinnen und Senioren einem digitalen Alltag näher zu bringen, sollte der informationsorientierte Verbraucherschutz hin zu einer regionalen und gemeinsamen Nutzerbefähigung ausgerichtet werden.
  • Für die Übertragung normativer Politikleitlinien in lokale Gegebenheiten wäre eine Lernumgebung, in der Verbraucherinnen und Verbraucher gemeinschaftlich teilnehmen, geeignet.
  • Für eine solche Neuausrichtung sollte die Zusammenarbeit von Verbraucherpolitik,  -forschung und -bildung weiter verstärkt werden.

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