Service-Navigation

Suchfunktion

Konten und Kredite
  • 20.01.2015

Scoring durch Auskunfteien - Bedeutung und Zulässigkeit

Bilanz mit Kreditkarte, Taschenrechner und Stift

Unter dem Begriff Scoring versteht man ein mathematisch-statistisches Verfahren zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit eines bestimmten zukünftigen Verhaltens von Personen anhand von Erfahrungswerten. Auskunfteien (wie z. B. die SCHUFA) setzen dieses Verfahren ein, um anhand des so ermittelten Wahrscheinlichkeitswertes (sogenannter Score-Wert) die voraussichtliche Bonität von Verbraucherinnen und Verbrauchern für Kreditinstitute und andere Unternehmen zu beurteilen.

Im Einzelfall kann eine solche Prognose darüber entscheiden, ob und zu welchen Konditionen ein Kredit gewährt wird. Aber auch bei vielen Alltagsgeschäften ist Scoring beliebt. Wird etwa der Abschluss eines neuen Mobilfunkvertrags abgelehnt oder werden bestimmte Waren vom Online-Shop nur gegen Vorkasse geliefert, könnte ein schlechter Score-Wert dahinter stecken.

Geoscoring

Der Einsatz solcher Scoring-Verfahren ist nach dem Bundesdatenschutzgesetz für sich genommen zulässig. Problematisch ist hierbei jedoch vor allem das sogenannte „Geoscoring“, bei dem Adressdaten und Informationen zum Wohnumfeld von Betroffenen in die Berechnung einfließen. Solange hierfür nicht ausschließlich solche Adressdaten genutzt werden und die Betroffenen vor der Berechnung über die vorgesehene Nutzung ihrer Adressdaten informiert werden, ist aber auch diese Praxis nicht generell untersagt.

Weil solche Prognosen jedoch zu erheblichen Diskriminierungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern führen können, haben sich die Verbraucherschutzministerinnen und -minister der Länder auf Initiative von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf der Verbraucherschutzministerkonferenz 2013 gegenüber der Bundesregierung einstimmig für ein generelles Verbot von Geoscoring ausgesprochen.

Social-Scoring

Kaum eine andere allgemein zugängliche Quelle bietet so viele Informationen über eine Person wie die sozialen Netzwerke. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die SCHUFA bereits im vergangenen Jahr mit einem Forschungsprojekt untersuchen wollte, inwiefern sich Informationen aus sozialen Netzwerken auch zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit eignen. Wegen des großen Protestes hat die SCHUFA das Forschungsprojekt zwar gestoppt, jedoch agieren bereits seit einigen Jahren Unternehmen auf dem Weltmarkt (z. B. Klout - www.klout.com, Kredittech - www.kredittech.com, Lenddo - www.lenddo.com), deren Geschäftsmodelle auf der systematischen Auswertung von Daten aus sozialen Netzwerken, dem sogenannten Social-Scoring, beruhen.

Aber nicht nur "die falschen" Freunde oder Posts bei Facebook, Xing oder Twitter können sich negativ auf Bonitätsprognosen auswirken. Auch die technischen Eigenschaften des Geräts, von dem aus eine Kreditanfrage gestartet wurde, die Uhrzeit, zu der eine Bestellung abgegeben wurde oder öffentlich zugängliche Informationsquellen wie das Bewertungsprofil bei Ebay können unter Umständen in automatisierte Bonitätsbeurteilungen einfließen. Solchen Praktiken strenge gesetzliche Grenzen zu setzen und für eine effektive Durchsetzung der Vorschriften zu sorgen, wird deshalb in den kommenden Jahren eine der zentralen Herausforderungen für die Daten- und Verbraucherschutzpolitik auf Bundes- und EU-Ebene sein.

Wer also viel und aktiv im Internet - speziell in sozialen Netzwerken - unterwegs ist, muss sich stets der Tatsache bewusst sein, dass er bei allem, was er tut, eine Datenspur hinterlässt. Und weil viele Verbraucherinnen und Verbraucher in der heutigen Zeit nicht gänzlich auf solche Aktivitäten verzichten können oder möchten, heißt die Devise Datensparsamkeit!

Handlungsmöglichkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher

Verbraucherinnen und Verbraucher können sich darüber informieren, welche personenbezogenen Daten eine Auskunftei oder ein Unternehmen über sie gespeichert hat, woher die Daten stammen, an wen die Daten übermittelt wurden und welche Score-Werte innerhalb der letzten sechs Monate vor der Anfrage erhoben bzw. gespeichert wurden. Betroffene können außerdem verlangen, dass ihnen allgemein verständlich dargelegt wird, wie ihr Score-Wert zustande kommt und welche Bedeutung er im Einzelfall hat. Basiert dieser auf unrichtigen Daten, können Verbraucherinnen und Verbraucher eine Korrektur verlangen. Einmal im Jahr haben Verbraucherinnen und Verbraucher das Recht, ihre Daten bei Auskunfteien kostenlos abzufragen.

Weitere Informationen

Fußleiste