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Studie Lastverlagerung
  • 04.05.2016

Studie "Der flexible Energie-Verbraucher – Potenziale zur Lastverlagerung im Haushaltsbereich"

Titel der Studie "Der flexible Verbraucher"

Die Energiewende ist für die beteiligten Akteure mit weitreichenden Veränderungen verbunden. So sehen sich Netzbetreiber gezwungen, immer mehr fluktuierend einspeisende Erneuerbare Energien in ihr Netz aufzunehmen. Dies wird einerseits durch Netzausbau geschehen müssen, kann auf der anderen Seite aber auch durch die Implementierung neuer Prozesse, die insbesondere die Endverbraucher einbinden, erfolgen. Für die Energievertriebsunternehmen stellt sich die Frage, wie in einem zunehmend schwierigeren Marktumfeld Kunden gewonnen bzw. gehalten werden können. Neue Produkte und Geschäftsmodelle, die ebenfalls an der Flexibilisierung der Nachfrage ansetzen, werden dabei in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein. Schließlich wird sich auch der Großteil der Endverbraucher flexibel verhalten müssen, um weiterhin in den Genuss einer hohen Versorgungssicherheit und bezahlbarer Energie zu gelangen.

Aus diesem Grund haben das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg eine Studie in Auftrag gegeben, die das Lastverlagerungspotenzial im Bereich der Haushalte untersucht und Vorschläge unterbreitet, wie dieses Potenzial realisiert werden kann und die Verbraucher somit an der Energiewende beteiligt werden können.

Nach der grundsätzlichen Beschreibung der Stellung und Charakterisierung des Verbrauchers im Rahmen der Energiewende greift dieser Bericht die wesentlichen relevanten Erkenntnisse aus den E-Energy-Modellregionen in Baden-Württemberg auf und analysiert darüber hinaus, in welchen Bereichen bzw. Anwendungsfällen Potenziale zur Lastverlagerung im Haushaltsbereich vorhanden sind.

Untersucht wurden:

  • Elektromobilität,
  • Wärmepumpen,
  • Umwälzpumpen,
  • Klimaanlagen,
  • elektrische Speicherheizungen,
  • SmartMeter / Intelligente Geräte,
  • Photovoltaik und
  • Mini-/Mikro-BHKW.

Insgesamt verfügen derzeit elektrische Speicherheizungen über das größte Lastverlagerungspotenzial (in MW/Tag). Allerdings steht dieses nur in der kälteren Jahreszeit zur Verfügung und wird in Zukunft aller Voraussicht nach stark absinken. Zukunftsträchtiger erscheinen Potenziale im Bereich der Elektromobilität, der Wärmepumpen, der Photovoltaik (mit Speicher) und der Mini-/Mikro-BHKW.

Anschließend werden konkrete Anreizsysteme zur Nutzung der vorhandenen Flexibilitätspotenziale entwickelt und mittels eines Kriterienkatalogs bewertet. Hier bieten sich insbesondere variable Endkundentarife, eine flexible EEG-Umlage sowie Flexibilitätsprämien als Mittel der Wahl an.

Variable Endkundentarife: Im marktlichen Bereich können durch Vertriebsunternehmen Tarife angeboten werden, die sich hinsichtlich ihrer Höhe an der zu erwartenden oder tatsächlichen Knappheitssituation von Strom am Markt orientieren. Somit können insbesondere Beschaffungsvorteile an die Verbraucher weitergegeben werden. Grundsätzlich wird das Angebot in erzeugungsarmen und laststarken Zeiten eher zu einem hohen Tarif tendieren, in erzeugungsstarken und lastschwachen Zeiten zu einem niedrigeren Tarif. In zeitlicher Hinsicht sind verschiedene Modelle denkbar. Die Ausgestaltung kann z. B. erfolgen nach Jahreszeit, Wochentag, Day-Ahead oder Echtzeit.

Flexible EEG-Umlage: Die EEG-Umlage kann z. B. stündlich durch Multiplikation des Day-ahead-Großhandelspreises mit einem jährlich festgelegten Faktor berechnet werden. Somit stiege die EEG-Umlage mit steigendem und sänke mit fallendem Börsenpreis. Auf diese Weise verstärkten sich die Anreize zur Lastverlagerung bzw. Bereitstellung von Flexibilität beim Verbraucher.

Flexibilitätsprämie: Eine weitere Möglichkeit zur Erschließung von Flexibilitätspotenzialen ist die Einführung einer Flexibilitätsprämie. Die Prämie wird dem Endverbraucher für die Bereitstellung von Flexibilität in Form von Lastverlagerung, d. h. Lastreduktion oder Lastzuschaltung bezahlt. Die Höhe der Prämie richtet sich nach der zur Verfügung gestellten Leistung für einen bestimmten Zeitraum (z. B. 1 kW für 1h).

Die Einführung einer oder mehrere dieser Anreizsysteme eröffnen ein ökonomisch erschließbares Potenzial vom mehreren 100 MW pro Tag (deutschlandweit). Voraussetzung ist, dass alle Letztverbraucher mit einem Jahresverbrauch größer 6.000 Kilowattstunden über ein intelligentes Messsystem verfügen.

Potenzielle Hemmnisse bei der Umsetzung sind im Wesentlichen die ausstehende Verabschiedung verschiedener Verordnungen. Dazu gehören Regelungen zum Einbau und zur Administration intelligenter Messsysteme sowie deren technische Anforderungen bezüglich des Datenschutzes, zur Marktkommunikation sowie zur Steuerung unterbrechbarer Lasten in der Niederspannung.

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