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Anbieterwechsel
  • 13.06.2016

Wechsel des Strom- und Gasanbieters lohnt sich – Hilfe bieten Tarifrechner und Preisvergleichsportale im Internet

Stromzähler mit Geldscheinen

Ein Wechsel des Energieversorgers oder des Tarifs kann sich für die Verbraucher auszahlen. Verbrauchern wird deshalb eine jährliche Überprüfung ihrer Lieferkonditionen bei Strom und Gas empfohlen. Durch die schwankenden Kurse an den Strombörsen und den unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Unternehmen können große Preisunterschiede am Markt entstehen. Mit einem Wechsel können sich ganz leicht mehrere Hundert Euro jährlich für die Haushaltskasse sparen lassen.

Anbieterwechsel spart bares Geld

Verbraucher sollten die angebotenen Tarife, Leistungen und Vertragskonditionen der Energieversorgungsunternehmen daher genau vergleichen. Bei Strom und bei Gas gibt es zwischen den angebotenen Tarifen Preisspannen von bis zu 50 Prozent. Große Unterschiede sind außerdem bei den Zahlungskonditionen und den Vertragslaufzeiten festzustellen. Einmalige Wechselboni sollen den Verbrauchern einen Wechsel attraktiver machen. In diesem Fall sollten die tatsächlichen Kosten für die Grundgebühr und für den Verbrauch genau unter die Lupe genommen werden 

Tipp für den Energieversorgerwechsel: Prüfen Sie Tarife mit längerfristigen Preisgarantien. Bei ständig steigenden Energiepreisen kann sich z. B. ein Tarif mit einer Preisgarantie von einem Jahr auszahlen. Sie wären dann für die folgenden zwölf Monate vor Preiserhöhungen geschützt.

Mit der Liberalisierung der Energiemärkte sind alle Kunden zunächst in die so genannte gesetzlich garantierte "Grundversorgung" überführt worden. Wer danach nichts mehr unternommen hat, ist heute in der Regel immer noch in diesem Grundversorgungs- oder Basistarif. Nach Schätzungen von Experten trifft dies auf rund die Hälfte der Haushalte bei Strom und Gas zu. In der Grundversorgung bezahlt der Kunde in Baden-Württemberg mit die höchsten Preise für Strom und Gas in Deutschland und in Europa. Auf der anderen Seite ist gerade im Südwesten die Wettbewerbsintensität besonders hoch und die Wettbewerbspreise sind im nationalen Vergleich recht günstig.

Inzwischen sind sogar viele Ökotarife günstiger als die Grundversorgung. Ein genauer Vergleich der angebotenen Tarife und Leistungen der Energieversorgungsunternehmen ist empfehlenswert.

Tipp: Beratung und Hilfestellung zu einem möglichen Versorgerwechsel bietet auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ( www.vz-bawue.de) an.

Preisvergleich im Internet lohnt sich

Tarifrechner und Preisvergleichsportale im Internet bieten Verbrauchern die Möglichkeit zum Preisvergleich sowie weitere Informationen zu den einzelnen Tarifkonditionen. Die Datenbanken listen alle am Ort verfügbaren Versorgungstarife und Anbieter auf. Gleichzeitig werden die jährlichen Gesamtkosten in Abhängigkeit vom Verbrauch berechnet. Dabei ist es zu beachten, dass die meisten Tarifrechner auf Basis von Vermittlungsprovisionen der Anbieter arbeiten. Über die Höhe der Provisionen erfahren die Nutzer in der Regel nichts, meist informieren die Portale auch nicht über das jeweilige Geschäftsmodell.

Inzwischen haben sowohl Öko-Test (03/2008) als auch die Stiftung Warentest (09/2008 und 02/2013) die Tarifrechner unter die Lupe genommen. Im Heft 04/2016 gibt die Stiftung Warentest weitere Tipps zum Umgang mit den Tarifrechnern und zum Wechsel des Stromtarifs. Das beste Ergebnis erzielte in den Tests der Anbieter Verivox, wobei beim TEST 2013 die beste vergebene Note nur „befriedigend“ war. Die Tester bemängelten insbesondere die zum Teil verbraucherunfreundlichen Voreinstellungen bei der Suche und nicht ausdrücklich gekennzeichnete Werbeangebote. Doch die Portale können den Nutzern auch einen „Mehrwert“ bieten: So veröffentlicht das Heidelberger Verbraucherportal Verivox regelmäßig auch seine Strom- und Gasmarkt-Servicestudien. In den Studien wurden die wichtigsten Anbieter und Tarife nach ihrer Verbraucherfreundlichkeit im Zusammenhang mit den Vertragskonditionen, Laufzeiten und dem Kundenservice bewertet. Dies schafft mehr Transparenz und gibt dem Verbraucher neben dem Preis weitere Entscheidungskriterien für einen Wechsel.

Tipp auf Voreinstellungen achten: Besonders wichtig für die richtigen Treffer bei einer Suche ist die Vorauswahl von Einstellungen bei der Abfrage. Die Suchoptionen können durch Löschen oder Setzen der entsprechenden „Häkchen“ individuell ausgewählt werden. Allerdings übernehmen die Tarifrechner keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben. Nicht zu empfehlen sind Angebote, bei denen Vorkasse verlangt wird. Vorsicht ist auch angebracht, wenn besonders hohe Wechselboni in Aussicht gestellt werden. Genau geprüft werden sollten auch die Paketangebote: Hier kauft der Kunde eine bestimmte Bezugsmenge, z.B. 5.000 Kilowattstunden Strom zu einem vergleichsweise günstigen Paketpreis ein. Allerdings verfallen in der Regel nicht genutzte Restmengen und ein Mehrbedarf ist oftmals recht teuer.

Qualitätssicherung bei Preisvergleichsportalen wichtig

Die Preisvergleichsportale im Internet sind eine gute Basis für mehr Kostentransparenz bei Gas und Strom. Allerdings muss sich der Verbraucher darauf verlassen können, dass ihm die Energiepreisvergleichsportale aktuelle und vollständige Auskünfte geben. Regelmäßige Tests oder die Einführung eines Gütesiegels könnten bei den Verbrauchern Vertrauen und Sicherheit schaffen. Das Verbraucherministerium Baden-Württemberg setzt sich deshalb für eine Qualitätssicherung der Preisvergleichsportale ein. Auch die Verbraucherschutzministerkonferenz hat im Jahr 2014 auf Vorschlag Baden-Württembergs einen Beschluss bezüglich Transparenz und Zuverlässigkeit von Preisvergleichsportalen im Energiebereich gefasst und die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.

Tipp für die Verbraucherinnen und Verbraucher: Immer mehrere Preisvergleichsportale nutzen und die Ergebnisse miteinander vergleichen. Darüber hinaus können vor dem Wechsel die vorgeschlagenen Tarife auf den Internetseiten der Anbieter oder auch telefonisch nochmals überprüft werden.

Engagement der Verbraucher gefragt

Trotz der offensichtlichen Vorteile für die Verbraucher ist die Wechselwilligkeit der Energiekunden nach wie vor verhalten. Oftmals scheuen die Kunden einen Wechsel aus Angst, im ungünstigsten Fall eine zeitweise Unterbrechung der Strom- oder Gaslieferung in Kauf nehmen zu müssen. Diese Angst ist aber völlig unbegründet, denn eine unterbrechungsfreie Energieversorgung wird gesetzlich garantiert. Sollte es zu Schwierigkeiten beim Wechsel kommen oder wird ein Lieferant insolvent, so springt automatisch der örtliche Grundversorger ein und beliefert den Kunden für die Übergangszeit zu den Konditionen der Grund- oder Ersatzversorgung. 

Nach Branchenangaben wechseln jährlich etwa eineinhalb bis drei Millionen Haushalte ihren Tarif oder Versorger. Dies entspricht fünf bis acht Prozent der Haushalte. Um über die Nachfrageseite den Wettbewerb zu stärken, sollte die jährliche Wechselquote bei deutlich über zehn Prozent der Haushalte liegen. Eine weitere Belebung des Wettbewerbs würde zu einer größeren Angebotsvielfalt, mehr Wettbewerb und entscheidenden Impulsen für wichtige Innovationen führen.

Politik muss für unkomplizierte Wechselbedingungen sorgen

Das Verbraucherministerium setzt sich für eine Vereinfachung des Wechsels von Strom- und Gasanbietern ein. Der Anbieterwechsel sollte z. B. in einem Zeitraum von drei Wochen möglich sein und sich nicht über mehrere Monate hinziehen. Hier sind die staatlichen Aufsichtsbehörden gefordert, mit effizienten Wechselprozessen kurze Wechselfristen durchzusetzen. Mit der Einrichtung der Schlichtungsstelle Energie wurden die Rechte der Verbraucher gestärkt und für den Streitfall zwischen Verbraucher und Anbieter wurden geeignete Beschwerde- und Schlichtungsverfahren geschaffen.

Tipp: Verbraucherbeschwerde bei der Bundesnetzagentur und die Möglichkeit einer außergerichtlichen Streitbeilegung über die Schlichtungsstelle „Energie“:

Die Bundesnetzagentur als staatliche Aufsichtsbehörde über den Energiemarkt hat einen Verbraucherservice eingerichtet, der Beschwerden entgegennimmt. Die Behörde ist wie folgt zu erreichen:

Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
Verbraucherservice Energie
Postfach: 8001, 53105 Bonn
Telefon-Hotline: 030 22 480 - 500 (Montag bis Freitag von 9:00 - 12:00 Uhr)
E-Mail verbraucherservice-energie@bnetza.de
Internet:  www.bundesnetzagentur.de


Darüber hinaus hilft die Schlichtungsstelle Energie bei Streitigkeiten zwischen Kunden und Energieversorgungsunternehmen und bietet ein Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung an. Dieses Schlichtungsverfahren ist für Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos. Die Schlichtungsstelle Energie erreichen Sie unter folgendem Kontakt:

Schlichtungsstelle Energie e. V.
Friedrichstraße 133, 10117 Berlin
Telefon: 030 / 27 57 240-0
E-Mail: info@schlichtungsstelle-energie.de
Internet: www.schlichtungsstelle-energie.de


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