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4. Dezember 2012
Verbrauchertag Baden-Württemberg
25 Jahre Tschernobyl - die Lebensmittelüberwachung zieht Bilanz

Am 26. April 1986 ereignete sich der folgenschwere Reaktorunfall im Atomkraftwerk von Tschernobyl. Fast ein viertel Jahrhundert später gleicht die Katastrophe vom März 2011 von Fukushima in Japan einem Déjà-vu-Erlebnis, wenngleich mit geringeren Auswirkungen für Deutschland.
Folgen für Deutschland und Baden-Württemberg
In der Bundesrepublik Deutschland war die Strahlenbelastung nach Tschernobyl je nach geographischer Lage recht unterschiedlich. Am stärksten betroffen war Südbayern, wo im Mai 1986 bis zu 45000 Bq/m² Cs-137 an der Bodenoberfläche registriert wurden. Erhöhte Werte gab es in Oberschwaben und im Schwarzwald. Besonders betroffen vom radioaktiven Niederschlag (Fallout) waren in Baden-Württemberg der Raum Oberschwaben sowie in Bayern Gebiete südlich der Donau.
Situation 2010
Auch 25 Jahre nach Tschernobyl sind radiochemische Untersuchungen noch immer von öffentlichem Interesse. Im Rahmen des Bundesmessprogrammes nach § 3 Strahlenschutzvorsorgegesetz sind das CVUA Stuttgart und das CVUA Freiburg als Landesmessstellen für Lebensmittel, Futtermittel, Böden und Trinkwasser in das Integrierte Mess- und Informations-System zur Überwachung der Umweltradioaktivität (IMIS) eingebunden. Im Mittelpunkt steht dabei, wie auch in den Jahren zuvor, die gammaspektrometrische Analyse der Grundnahrungsmittel. Es wurden 1669 Proben untersucht. Die Kontamination mit radioaktivem Cäsium (Cäsium-134 und Cäsium-137) ist bei Lebensmitteln nur noch sehr gering und unterschreitet den EU-Richtwert von 600 Bq/kg erheblich. Die Gehalte der meisten Proben liegen sogar unter der Nachweisgrenze.
Wildpilze
Von 26 untersuchten Pilzen stammten 4 aus Litauen, je 1 aus Russland, Serbien, Frankreich, Bulgarien, China und 2 aus Weißrussland. Der höchste ausländische Wert betrug 169 Bq/kg (Litauen). Der Maximalwert von 315 Bq/kg wurde in einer von einem privaten Sammler eingesandten Pilzprobe aus dem Kreis Biberach gemessen. Weitere Proben wurden zusätzlich auf Strontium-90, Wasser auch auf Tritium untersucht. Die Werte waren unauffällig.
Manche Wildpilzarten, insbesondere bestimmte Röhrlinge, sind bekannt für ihre Fähigkeit, Cäsium anzureichern. Die Untersuchungsämter bekommen jedoch Probenmaterial fast nur durch Pilzsammler. Aus Artenschutzgründen dürfen heimische Wildpilze in Baden-Württemberg nicht gehandelt werden und sind deshalb für die Lebensmittelüberwachung kaum zugänglich.
Belastung von Wildschweinen
Besonders Nahrungsbestandteile aus dem Boden (z. B. Hirschtrüffel) können zu hohen Cäsium-Gehalten im Wildschweinfleisch führen. Wildschwein-Proben sind in Süddeutschland selbst 25 Jahre nach Tschernobyl teilweise noch deutlich mit radioaktivem Cs-137 belastet. Aus diesem Grund hat die baden-württembergische Landesregierung gemeinsam mit dem Landesjagdverband im Jahr 2006 ein Überwachungssystem für Wildfleisch eingerichtet. Das Überwachungssystem umfasst dabei zwei Komponenten:
- In den sogenannten Überwachungsgebieten, also Bereichen, in denen eine radioaktive Belastung häufiger auftreten kann, muss jedes erlegte Stück Schwarzwild untersucht werden (100%-ige Eigenkontrolle). Dazu haben der Landesjagdverband und einige Landratsämter Messstellen eingerichtet.
- In den übrigen Landesteilen wird Schwarzwild stichprobenweise in einem amtlichen Monitoring bei den CVUAs Stuttgart und Freiburg untersucht.
Die Messwerte werden zentral vom CVUA Freiburg zusammengeführt und ausgewertet und können von jedermann im Internet abgerufen werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Wild mit Cs-137 Gehalten über dem Richtwert von 600 Bq/kg nicht in den Handel kommt. Gebiete, in denen es zu Überschreitungen des Grenzwertes der Cäsium-Belastung (600 Bq/kg) kommen kann, waren 1986 stärker vom Fallout betroffen, die Belastung tritt dort aber nicht flächendeckend auf, sondern konzentriert sich auf bestimmte Bereiche.
Der Richtwert wurde im Jahr 2010 bei 113 von 558 noch nicht im Handel befindlichen Wildschweinproben überschritten. Den Maximalwert von 11540 Bq/kg zeigte eine Wildschweinprobe aus dem Nordschwarzwald.
Aktuelle Untersuchungsergebnisse des Wildüberwachungsprogramms
Aktuelle Messergebnisse nach Landkreisen
Wildbret der übrigen Wildarten in Baden-Württemberg, also vor allem von Reh-, Rot- und Damwild sowie von Hase, Enten und Fasan, ist nicht belastet.
Vorsorgliches Überwachungsprogramm für ostasiatische und pazifische Importprodukte
Auf Grund des Reaktorunfalls in Fukushima/Japan hat das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium am 16. März ein Sonderprobenprogramm erlassen: Untersucht wurden 11 Proben aus Japan und 15 Proben aus dem ostasiatischen und pazifischen Raum. Die Lebensmittel waren allerdings noch vor der Katastrophe importiert worden. Wie zu erwarten war, gab es keine Gehalte über der Nachweisgrenze. Somit geben die Messwerte einen guten Anhaltspunkt für die Grundbelastung vor der Katastrophe.
Zusätzlich sollen von April bis Juni nochmals Fisch- und Shrimpsproben aus Japan und benachbarten Ländern untersucht werden. Je nach Bewertung der Proben wird entschieden, ob gegebenenfalls weitere Probenahmen erforderlich sind. Am 25. März 2011 hat die Europäische Union Einfuhr-Vorschriften für Lebensmittel und Futtermittel aus Japan beschlossen, die am 11. April 2011 hinsichtlich der Grenzwerte nochmals geändert wurden. In Baden-Württemberg sind bislang keine Einfuhrproben zur Untersuchung gelangt, da hier praktisch keine Einfuhren aus Japan ankommen.
Weitere Informationen
Aktuelle Radioaktivitätsdaten des Wildüberwachungsprogrammes beim CVUA Freiburg
Internetseite der CVUA Freiburg
25 Jahre Tschernobyl - die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung zieht Bilanz; gesamter Artikel mit vielen Links vom 21. April 2011
Quelle: Chemische und Veterinäruntersuchungsämter





