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  • 25.06.2020
Corona Warn-App Infokasten 2

Einsatz der Bluetooth-Technik zur Abstandsmessung

Die Bluetooth-Technik bietet die Möglichkeit, über Funk auf kurzen Distanzen Daten zu übertragen. Bluetooth ist zum Beispiel bekannt von der kabellosen Verbindung von Kopfhörern mit dem Smartphone, vom Telefonieren im Auto oder von der Gerätesteuerung im Haushalt über das Smartphone. Um Kontakte zu möglicherweise Infizierten in direkter Nähe erfassen zu können, wird bei der Corona-Warn-App ebenfalls die Bluetooth-Technik zur Abstandsmessung eingesetzt (Abb.3). Dabei kommt die Variante „Bluetooth Low Energy“ zum Einsatz, die sich durch einen niedrigen Strombedarf auszeichnet. Mit dieser Anforderung läuft die Corona-Warn-App auf Smartphones ab Android 6.0 sowie ab iOS 13.5. Kompatibel sind die meisten Smartphone-Modelle, die in den vergangenen fünf Jahren auf den Markt kamen. Allerdings ist die App auf ca. 15% der Smartphones nicht lauffähig, wovon insbesondere ältere Menschen betroffen sein werden, die vor einigen Jahren ein Smartphone gekauft haben, das für die bisher genutzten Anwendungen ausreicht. Technische Alternativen zur Implementierung der Corona-Warn-App-Funktionalitäten zum Beispiel in Armbändern werden derzeit geprüft.

Nach der Installation der Corona-Warn-App kann der Benutzer in der App die Aufzeichnung von Kontakten zu Personen in direkter Nähe aktivieren und jederzeit wieder manuell unterbrechen. Mit der Bluetooth-Technik wird nach den vom RKI festgelegten Kriterien der Abstand und die Begegnungsdauer zu anderen Personen gemessen, die ebenfalls die Corona-Warn-App installiert haben. Halten sich zwei App-Nutzer für eine bestimmte Zeit nebeneinander auf, tauschen die Smartphones zufallsgenerierte, sich mehrfach ändernde Kennziffern (Kontakt-IDs) aus, die lokal in den beteiligten Smartphones gespeichert werden. Dem Nutzer weder die Anzahl erfasster Kontakt-IDs bekannt noch kann er oder andere die Kontakt-IDs abrufen oder sehen.

Die für den Austausch der Kontakt-IDs erforderliche Schnittstellen-Funktion wurde bereits vor Fertigstellung der Corona-Warn-App bei jedem Smartphone-Besitzer über eine automatische Aktualisierung des Betriebssystems eingerichtet. Android-Smartphones ohne „Google Play Services“ wie die neuesten Huawei-Smartphones können die Funktion erst nutzen, wenn Huawei selbst eine eigene Programm-Schnittstelle mit gleichem Funktionsumfang einrichtet. Hintergrund dafür ist, dass Google als Folge des Handelsstreits zwischen USA und China diese Dienste für die neusten Smartphone-Modelle von Huawei nicht anbieten darf.

Durch die Aktualisierung des Smartphone-Betriebssystems allein werden keine anonymisierten Kontakt-IDs über Bluetooth gesendet oder empfangen. Die Schnittstellen-Funktion bei iOS und Android-Geräten wird erst dann aktiviert, wenn eine autorisierte App wie die Corona-Warn-App des Bundes vom Benutzer des Smartphones installiert wird und der Benutzer dem Austausch von Kontakt-IDs ausdrücklich zustimmt. Unter Android fordert die Corona-Warn-App bei der Aktivierung aus technischen Gründen zur Freigabe des Standortes auf, weil Bluetooth unter Android zur Kategorie Standortermittlung zählt. Im Fall der Corona-Warn-App erfolgt aber keine Standorterfassung und Standortverfolgung. Wenn Bluetooth manuell ausgeschaltet wird, funktioniert die Abstandsmessung nicht mehr.

Die Smartphones scannen die direkte Umgebung auch nicht ununterbrochen nach neuen Kontakten ab, sondern nur etwa alle fünf Minuten für zwei bis vier Sekunden. Dadurch wird einerseits Akkulaufzeit gespart werden, andererseits nicht alle kurzfristigen Kontakte erfasst werden, auch wenn sie zum Beispiel durch direktes Anhusten zu einer Infektion führen könnten. Da die Bluetooth-Technik auch nicht für das Messen von Abständen entwickelt worden ist, können „Fehlalarme“ nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn sich SARS-CoV-2-Infizierte dicht hinter einer Glaswand befunden haben und als Kontaktperson registriert werden, obwohl in diesem Fall keine Infektionsgefahr bestand.

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