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  • 01.06.2016
Internet der Dinge

Smart Home – Vorteile und Risiken

Smartphone zur Steuerung von Haustechnik

Das Licht per Smartphone-App einschalten oder den Fernseher per Zuruf ausschalten – das ist Alltag im „intelligenten Zuhause“, dem sogenannten Smart Home. Die moderne, vernetzte Heimtechnik gilt als Zukunftsmarkt: Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) glauben rund 43 Prozent der befragten deutschen Internetnutzerinnen und -nutzer, dass dieser technologische Trend in den nächsten Jahren den größten Einfluss auf ihr Leben haben wird. Doch das Smart Home bietet nicht nur Komfort und Unterstützung im Alltag, sondern birgt auch Risiken.

Vernetzte Heimtechnik – was sich dahinter verbirgt

Wie funktioniert die intelligente Heimtechnik? Die technikunterstützte Art zu leben wird entweder in Form von intelligenten Einzellösungen, wie Heizungssteuerungen, oder als komplexes System aus mehreren vernetzten Produkten eingesetzt.

Das Smart Home besteht aus verschiedenen Elementen: Mit Eingabegeräten wie Touchdisplays, Tablet-PCs oder Smartphones werden die Endgeräte, sogenannte „Aktoren“, etwa Heizkörperventile, Lichtschalter oder Fernseher, bedient. Durch Sensoren kann beispielsweise die Raumtemperatur überprüft werden, oder es kann getestet werden, ob die Lichter in einem bestimmten Zimmer erloschen sind. Wenn das Licht noch eingeschaltet ist, kann über die Eingabegeräte auch ein direkter Schaltbefehl erfolgen.

Um eine Kommunikation und Interaktion aller Geräte untereinander zu ermöglichen, werden diese vernetzt, entweder per Funk (z. B. Bluetooth, WLAN/WiFi) oder Kabel (Ethernet, Powerline, etc.). In komplexeren Systemen kommt noch eine zentrale Steuerungseinheit, das Gateway, hinzu. Ein Gateway ermöglicht eine komfortable Verwaltung des gesamten Smart Home Netzwerks und eine strukturierte Kommunikation der vernetzten Geräte untereinander. Das Gateway kann direkt über die Eingabegeräte angesteuert werden, es sammelt und speichert Sensordaten, Einstellungen und Steuerbefehle für die Endgeräte. Auch wenn ein Gateway im Einsatz ist, ist es weiterhin möglich, einzelne Geräte unabhängig davon ein- oder auszuschalten.

Smart-Home-Anwendungen – was besonders beliebt ist

Diese moderne Heimtechnik soll den Alltag von Verbraucherinnen und Verbrauchern komfortabler und sicherer machen, etwa durch intelligente Sicherheitssysteme wie Licht- und Rollladensteuerungen. Mit diesen Systemen können zum Beispiel Lampen und Rollläden von unterwegs per Smartphone bedient werden – so kann der Anschein erweckt werden, zu Hause zu sein. Die vernetzte Technik kann zudem dabei helfen, Energie einzusparen – beispielsweise dann, wenn man die Heizung auch aus dem Büro per App regulieren kann. Laut der GfK-Umfrage sehen etwa die Hälfte der befragten deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher den Nutzen von Smart-Home-Anwendungen vor allem in den Bereichen Energie und Beleuchtung sowie Sicherheit und Steuerung. Geräte aus dem Entertainment-Bereich, die ferngesteuert bedient und miteinander vernetzt werden können, sind bei 39 Prozent der befragten Deutschen beliebt. Auch smarte Haushaltsgeräte finden viele attraktiv (37 Prozent). Ein Beispiel dafür sind Waschmaschinen, die sich per App steuern lassen. Ebenfalls begehrt sind (29 Prozent) Smart-Home-Technologien für die Gesundheit. Diese Technologien unterstützen beispielsweise Seniorinnen und Senioren dabei, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Eingesetzt werden hierfür Touchscreen-Computer, die den Gesundheitszustand einer Person über Sensortechnik überwachen – und einen eventuellen Notfall so früh erkennen, dass die oder der Betroffene keinen Hilferuf absetzen muss.

Schwierigkeiten und Risiken – was Verbraucherinnen und Verbraucher wissen sollten

Neben Vorteilen bringen die modernen, vernetzten Systeme jedoch auch Nachteile mit sich – so ist das Smart Home beispielsweise ein Risiko für die Privatsphäre. Wenn Überwachungstechnik, Heizungsanlage und Kühlschrank an das Internet angeschlossen sind, können private Geräte-, Verbrauchs- oder Nutzungsdaten unter Umständen in falsche Hände geraten. Die Folgen sind weitreichend. Ein Beispiel aus dem Bereich der Sicherheitssysteme: Wenn Haustechnik wie Steckdosenleisten, Rollläden oder Gegensprechanlagen nicht mehr als abgeschlossene Systeme eingesetzt werden, sondern auch mit dem Internet verbunden sind, ermöglicht das Hackern auf die Heimvernetzung zuzugreifen und die Kontrolle zu übernehmen. So können sie beispielsweise potenzielle Einbruchsziele ausspähen – und herausfinden, wann die Bewohner in der Regel aufstehen, wann sie das Haus verlassen und wann sie von der Arbeit zurückkommen.   
 
Aufgrund dieser und weiterer Sicherheitslücken haben die Ministerinnen und Minister der Länder die Bundesregierung auf der 12. Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) 2016 gebeten, die Marktentwicklung im Bereich des Smart Home zu beobachten – und sich für einen hohen Verbraucher- und Datenschutz am Markt einzusetzen. Folgende Aspekte zum Schutz der Privatsphäre und Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbrauchern sollten nach Ansicht der Ministerinnen und Minister gewährleistet sein: Art und Umfang der Daten, die verarbeitet werden, und die damit verfolgten Zwecke sowie die beteiligten Stellen sollten transparent sein. Zudem sollten die entsprechenden Systeme datensparsam voreingestellt sein und eine anonyme Datenverarbeitung vorsehen. Datenzugriffe und -übertragungen an Stellen außerhalb des häuslichen Bereichs sollten nachvollzogen und bei Bedarf unterbunden werden können. Personenbeziehbare Daten sollten in verschlüsselter Form gespeichert und übertragen werden.
 
Eine Schwierigkeit, mit der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Anwendung von Smart-Home-Lösungen immer wieder konfrontiert werden, ist die zum Teil recht komplizierte Handhabung der Systeme. Die Verbraucherschutzministerinnen und -minister haben sich deshalb auf der 12. VSMK dafür ausgesprochen, dass die Geräte möglichst einfach und intuitiv einzurichten und zu bedienen sein sollten. Auch die Bedürfnisse von älteren Personen und Menschen mit Behinderungen sollten dabei berücksichtigt werden – damit das Smart Home in der Realität stärker an das herankommt, was es zu sein verspricht: ein modernes und komfortables „Haus der Zukunft“.

Weitere Informationen

Smart Home - das intelligente Zuhause; Informationen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

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