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Veranstaltung
  • 15.11.2018

Verbrauchertag Baden-Württemberg 2018

"Meine Daten gehören mir – oder etwa nicht?"

"Meine Daten gehören mir - oder etwa nicht?", so lautete der Titel des fünften Verbrauchertags Baden-Württemberg 2018. In seinem Einführungsvortrag beleuchtete Markus Beckedahl verschiedene Aspekte der digitalen Welt. In den beiden anschließenden spannenden Diskussionsrunden wurden die Themen Datenverwertung sowie Algorithmenkontrolle vertieft und erste Lösungswege aufgezeigt.

Zwei witzige Videoclips über das Leben im Smart Home sowie das Leben mit Sprachassistenten, zwei Live-Votings und ein toller Auftritt der Schulband der Werkreal- und Realschule Seckenheim lockerten das Programm auf und rundeten die Veranstaltung ab. Die Texte der beiden live-gesungenen Lieder "Digitale Welt" und "Du musst nicht alles haben" wurden von den Sängerinnen und Sängern der Schulband selbst geschrieben. In ihren Texten setzen sie sich sehr reflektiert mit der digitalen Welt und dem Konsumverhalten auseinander. Impressionen der äußerst spannenden Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.

Referenten und Zitate

Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin von Kornwestheim, Frau Ursula Keck








 
 


Diskussionsrunde 1: Datenverwertung / Zukunftstrends / innovative und wirtschaftliche Ansätze zum Umgang mit Daten

 

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL:

"Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Wir müssen ein gutes Gespür für den Wert dieses Guts und einen regulatorischen Rahmen dafür entwickeln."

"Gehen Sie bewusst, sensibel und sparsam mit Ihren Daten um. Eine einmal gelegte „Datenspur“ lässt sich nicht mehr so einfach verwischen."


Markus Beckedahl, Netzaktivist, Gründer netzpolitik.org:

"Die Debatte um Algorithmen und Künstliche Intelligenz ist eine der zentralen netzpolitischen Fragen heute und morgen."

"Es gibt keine einfachen Antworten, wichtig ist aber, dass wir als Gesellschaft darüber reden, welche Arten von algorithmischen Entscheidungssystemen und Künstlicher Intelligenz wir wollen. Und die Politik klare Regeln formuliert."



 


Dr. Stefan Brink, Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg:

"Der Datenschutz muss in einer modernen Gesellschaft immer zwei Fragen beantworten: Wie wir unsere persönlichen Daten gut und sinnvoll nützen können, und wie wir sie vor unerwünschten Zugriffen schützen können."

"Datenschutz und Verbraucherschutz verfolgen dasselbe Ziel: den mündigen Bürger, der gut informiert und selbstbewusst seine Rechte wahrnimmt."


Susanne Dehmel, Sachverständige der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Bundestages, Geschäftsleitung Bitkom e. V.:

"Die Diskussionen darum, wem Daten gehören, führen in die Irre. Die Frage muss sein, wer Daten auf welcher Grundlage für welche Zwecke nutzen darf und wie der Schutz der Persönlichkeit effektiv erhalten bleibt."

"Vertrauen in den Einsatz von selbstlernenden Systemen erreichen wir nicht durch die Offenlegung von Algorithmen. Für den Verbraucher hilfreicher ist eine verständliche Erklärung darüber, für welche Entscheidungsfindung und mit welchen Daten ein System eingesetzt wird und die Möglichkeit, Entscheidungen, die mit Unterstützung solcher Systeme getroffen wurden, im Zweifelsfall überprüfen lassen zu können."


Prof. Dr. Andrea Wechsler, Mitglied der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, Prof. für Wirtschaftsprivatrecht an der HS Pforzheim:

"Zentrale Aufgabe der Politik ist die Regulierung der Datenwirtschaft in dem Sinne, dass eine angemessene und faire ökonomische Basis für die beteiligten Stakeholder geschaffen, eine einheitliche und funktionierende Eigentumsordnung für die Datenwirtschaft inklusive Nutzungsrechten etabliert, die zivilgesellschaftliche Infrastruktur digitaler sozialer Kommunikation gesichert und nicht zuletzt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Digitalwirtschaft gestärkt wird."

"Im Einklang mit den Prinzipien der sozialen und verantwortlichen Marktwirtschaft muss der Mensch und Bürger im Mittelpunkt der Datenwirtschaft stehen, so dass gerade die Frage nach einem freiheitsverbürgenden Eigentumsrecht der Bürger an ihren Informationsdaten als Rechtsgegenstand zentrale Bedeutung hat."


Dr. Eike Wenzel, Mitglied des Nachhaltigkeitsrats der Landesregierung Baden-Württemberg, Gründer des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ):

"Individualisierung ist das große Versprechen der modernen Welt, vor allem auch des Internets. Der erneute Datenklau bei Facebook Anfang des Monats zeigt, wie weit wir uns von diesem Ideal entfernt haben."

"Um das Internet neu zu erfinden, sollten wir nicht noch mehr in fragwürdige Personalisierung investieren. Was wir brauchen, ist ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für unsere Daten."


Diskussionsrunde 2: Möglichkeiten einer Algorithmenregulierung

 

Philipp Ehmann, Referent Internetrecht und Telemedienregulierung, eco - Verband der Internetwirtschaft e. V.:

"Mehr staatliche Kontrolle verbessert nicht die Qualität von Algorithmen."

"Der Schlüssel für besseren Verbraucherschutz ist nicht bei Algorithmen zu suchen."



 


Dr. Klaus Holthoff-Frank, Generalsekretär Monopolkommission des Bundes:

"In der Internetwirtschaft können Preisalgorithmen Kollusion zwischen Unternehmen erleichtern, da wesentlich mehr Daten deutlich schneller verarbeitet werden können."

"Algorithmenbasierte Wettbewerbsverstöße werden schwer nachweisbar sein. Daher sollten vor allem die Marktergebnisse beobachtet werden."


Prof. Dr. Mario Martini, Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung, Prof. für Verwaltungswissenschaft, Staats-, Verwaltungs- und Europarecht an der Uni Speyer:

"Computeralgorithmen stellen die Gesellschaft und die Rechtsordnung aufgrund ihrer opaken Struktur und befürchteter Diskriminierungsrisiken vor Herausforderungen."
 
"Die DSGVO trifft einige Regelungen, die algorithmenbasierten Verfahren Leitplanken setzen. Die algorithmische Assistierung menschlicher Entscheidungen regelt sie aber noch nicht hinreichend."
 


Cornelia Tausch, Vorstand Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.:

"Der Schutz der persönlichen Daten scheint überall präsent, tatsächlich werden Verbraucher aber enteignet, der Nutzen aus ihren Daten fällt meist Unternehmen zu."

"Zu diskutieren und politisch umzusetzen sind neue zusätzliche Ansätze des Datenschutzes, die Verbrauchern tatsächlich die Hoheit über ihre Daten zurückgeben. Dazu gehören die Datenportabilität, eine staatliche Algorithmenkontrolle die Verbraucherinteressen vertritt sowie ein Rahmen für Märkte, in denen Verbraucher tatsächlich über ihre Daten selbst bestimmen können."


Maria Wilhelm, Referentin der Stabsstelle Europa des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg:

"Die Transparenzanforderungen der Datenschutz-Grundverordnung sind eine Strukturentscheidung über die Neuverteilung von Verantwortlichkeit und Autonomie im gesamten Rechtssystem."

"Im Datenschutz brauchen wir mehr Aktionen um zu weniger Reaktionen zu kommen."


In den Pausen sowie vor, während und nach dem offiziellen Programm des Verbrauchertags konnten sich die Besucherinnen und Besucher an den Informationsständen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V., des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz e. V. (Online-Schlichter), des Zentrums für Schlichtung e. V. (Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle), der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, des Landesdatenschutzbeauftragten Baden-Württemberg und des Netzwerks "Senioren im Internet" informieren.

Bildergalerie der Veranstaltung

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