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  • 13.09.2018
Datenschutz und Gesundheit

Wearables und Gesundheits-Apps: Chancen und Risiken

Smartwatch und Fitness-Armbänder

Wearables (kurz für wearable device; deutsch: tragbares elektronisches Gerät) wie Fitness-Armbänder und sogenannte Activity-Tracker (deutsch: Fitnessarmband) können nicht nur Schritte zählen, zurückgelegte Kilometer messen und verbrauchte Kalorien erfassen. Eine Smartwatch (deutsch: intelligente Uhr) kann beispielsweise die Herzfrequenz überwachen, die Körpertemperatur bestimmen oder Rückmeldung geben über den Schlafrhythmus. Sogenannte "Health-Apps" oder Gesundheits-Apps (kurz für applications; deutsch: Anwendungen), also digitale Anwendungen rund um Wellness und Fitness, dienen unter anderem als Abnehm- oder Fitnesscoach.
 
Die Akzeptanz von Wearables und Gesundheits-Apps ist bei Verbraucherinnen und Verbrauchern in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen. Auch in den kommenden Jahren ist mit einem weiteren signifikanten Anstieg an Nutzerzahlen und einer noch größeren Angebotsvielfalt an diesen Produkten zu rechnen.

Wearables und Gesundheits-Apps, die das Ziel haben, zu einer gesünderen Lebensweise zu motivieren und die Bewegung im Alltag zu fördern, können einen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten und zu einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein führen.

Risiken von Wearables und Gesundheits-Apps

Der dynamische und wachsende Markt hat zu einem unregulierten Wildwuchs an Wearables und Gesundheits-Apps geführt. Die sich auf dem Markt befindenden Geräte und Anwendungen unterliegen keiner verpflichtenden Qualitätskontrolle. Es fehlt somit oft jegliche Gewähr für die Richtigkeit der Messergebnisse und den Nutzen der daraus abgeleiteten Empfehlungen.
 
Bei den von Wearables sowie Gesundheits-Apps verarbeiteten Informationen handelt es sich um hochsensible personenbezogene Daten von erheblichem kommerziellem Wert für viele Branchen und einem entsprechend hohen Missbrauchspotential. Beispielsweise haben einige Hersteller bei einer Umfrage der Datenschutzaufsichtsbehörden im Jahr 2016 angegeben, die Fitness-Daten der Nutzerinnen und Nutzer für eigene Forschungszwecke und für ihr Marketing zu verwenden sowie an verbundene Unternehmen weiterzugeben. Der Nutzer erfährt in den meisten Fällen weder, um wen es sich dabei handelt, noch kann er der Weitergabe widersprechen. Daten- und Verbraucherschützer warnen deshalb regelmäßig, dass Nutzerinnen und Nutzer von Wearables und Gesundheits-Apps selten die Kontrolle über ihre eigenen Daten haben.

Ein nachgewiesenes Interesse an den aufgezeichneten Daten haben neben den Herstellern und Anbietern von Wearables und Gesundheits-Apps auch Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen, Gesundheitsdienstleister sowie Versicherer. Bereits seit einigen Jahren sind immer wieder Bestrebungen sowohl privater als auch gesetzlicher Krankenversicherungen zu beobachten, die „Selbstvermessung“ von Verbraucherinnen und Verbrauchern durch entsprechende Bonus- und Rabattsysteme zu honorieren. Auf längere Sicht könnten somit individualisierte bzw. risikoorientierte Versicherungstarife angeboten und Versicherte diskriminiert werden, die eine permanente Selbstvermessung ablehnen.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Nutzung von Wearables und Gesundheits-Apps wissen und beachten sollten:

  • Wearables und Gesundheits-Apps ersetzen keinen Arztbesuch.
  • Wearables und Gesundheits-Apps unterliegen keiner verpflichtenden Qualitätskontrolle. Die Richtigkeit der Messergebnisse und der Nutzen der daraus abgeleiteten Empfehlungen sind deshalb nicht gewährleistet.
  • Grundsätzlich sollten keine (Gesundheits-) Apps installiert werden, die aus zweifelhaften Quellen stammen oder bei denen der Herausgeber nicht festgestellt werden kann. Bewertungen anderer Nutzerinnen und Nutzer im App-Store können gegebenenfalls Anhaltspunkte liefern, ob eine App seriös ist oder nicht.
  • Auch bei Wearables und Gesundheits-Apps sollten Funk- und Datenverbindungen wie mobile Daten, Bluetooth (deutsch: drahtlose Verbindung elektronischer Geräte), NFS (deutsch: Netzwerkdateisystem) GPS (deutsch: Positionsbestimmungssystem) und WLAN (deutsch: drahtloses lokales Netzwerk) nur dann aktiviert werden, wenn diese auch wirklich benötigt werden. Bestehende Verbindungen sind ein Einfallstor für Angriffe auf das Gerät und die Kommunikation.
  • Bei der Nutzung von Wearables und Gesundheits-Apps werden Gesundheitsdaten erhoben, weiterverarbeitet und gegebenenfalls an Dritte weitergegeben. Bei den meisten Geräten und Anwendungen lässt sich eine Datenweitergabe durch den Nutzer nicht unterbinden.

Initiativen Baden-Württembergs auf der Verbraucherschutzministerkonferenz 2016 und 2017

Aufgrund der Risiken von Wearables und Gesundheits-Apps bei Qualität und Datenschutz hat bereits die 12. Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) im Jahr 2016 auf Initiative des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) die Bundesregierung aufgefordert, effektive Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene zur Regulierung des spezifischen Marktes für Wearables, Gesundheits-Apps und sonstige Formen mobiler Gesundheits- und Fitnesslösungen zu ergreifen.

Auf erneute Initiative des MLR zusammen mit dem Land Sachsen hat die 13. VSMK im Jahr 2017 die Bundesregierung aufgerufen, zum Schutz der Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern, strenge, transparente und überprüfbare Mindestkriterien für die Qualität und Leistungsfähigkeit von Geräten und Anwendungen auf dem Markt der mobilen Gesundheitstechnologien auszuarbeiten. Außerdem müsse für Verbraucherinnen und Verbraucher transparent sein, dass Gesundheitsdaten erhoben und weiterverarbeitet werden und wer diese Daten verwertet. Insbesondere sollte gesetzlich sichergestellt werden, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern durch die Nutzung von Wearables und Gesundheits-Apps keine Nachteile bei Versicherungen und Verträgen entstehen. Darüber hinaus bat die 13. VSMK die Bundesregierung um Prüfung, ob ein Informationsportal, welches die Nutzung mobiler Gesundheitsinformationen zum Gegenstand hat, bereitgestellt werden könnte. Ein solches Informationsportal sollte Wearables, Gesundheits-Apps und sonstige Formen mobiler Gesundheits- und Fitnesslösungen erfassen.
 
Das MLR wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass ein Mindestmaß an Qualitätskriterien für Wearables und Gesundheits-Apps vorgeschrieben wird und Nutzer dieser Geräte und Anwendungen erfahren, welche Gesundheitsdaten von wem zu welchem Zweck erhoben werden.

Weitere Informationen

Sicherer Umgang mit mobilem Internet und Apps, im Verbraucherportal BW
 
Datenkontrolle bei Fitness-Apps: Anbieter geben kaum Auskunft, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.
 
Unsportlich: Datenschutz-Mängel bei Wearables und Fitness-Apps, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.
 
Wearables und Fitness-Apps: Daten außer Kontrolle, Marktwächter Digitale Welt

Wearables und Fitness-Apps: Marktwächter-Untersuchung deckt Datenschutz-Mängel auf, Marktwächter Digitale Welt

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