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  • 13.09.2018
Internet

Breitbandmessung: Wie schnell ist mein Internet wirklich?

Glasfaserkabel

Viele Internetanbieter sichern ihren Kunden vertraglich schnelles Internet zu. Diese vertragliche Leistung wird nur in wenigen Fällen eingehalten. Laut Bundesnetzagentur lieferten im letzten Jahr lediglich 12 Prozent der Festnetzanschlüsse und 1,6 Prozent der Mobilfunkanschlüsse die vertraglich zugesicherte Maximalgeschwindigkeit.

Was Verbraucher tun können, wenn der Anbieter nicht die zugesagte Internetgeschwindigkeit liefert

Internetgeschwindigkeit prüfen - Anbieter kontaktieren

Bei vielen Internetanbietern kann vor dem Vertragsabschluss eine Vorprüfung über die verfügbare Internetgeschwindigkeit durchgeführt werden. Dabei müssen sich die Verbraucher darauf verlassen, dass realistische Ergebnisse vom Internetanbieter erfasst werden.

Um nach einem Vertragsschluss nachzuweisen, dass der Anbieter nicht die versprochene Internet-Geschwindigkeit liefert, empfiehlt die Bundesnetzagentur, dass Verbraucher mindestens 20 Breitbandmessungen über eine LAN-Verbindung zwischen Endgerät und Router vornehmen. Die Messung sollte an mindestens zwei unterschiedlichen Tagen mit jeweils mindestens 10 Messungen pro Tag stattfinden.

Diese Messung kann jedermann jederzeit kostenlos unter breitbandmessung.de durchführen. Die Seite ist im Auftrag der Bundesnetzagentur entwickelt worden und anbieterunabhängig.
Für mobile Anschlüsse ist eine Messung mit der kostenfreien Breitbandmessung-App möglich. Die App kann für Android und für iOS im jeweiligen Store heruntergeladen werden.

Zeigen die Messungen, dass die Internetgeschwindigkeit dauerhaft unter der versprochenen Leistung liegt, können Verbraucher ihren Anbieter schriftlich zum Nachbessern auffordern. Diese Messergebnisse sowie die schriftliche Aufforderung an den Anbieter sollten für den Streitfall dokumentiert werden. Experten empfehlen, dem Anbieter eine Frist von einer oder zwei Wochen zu setzen. Ändert sich nach wiederholter Aufforderung nichts, können Verbraucher fristlos kündigen. Daneben empfiehlt es sich, die Aufforderung an den Anbieter per Einschreiben, per Fax mit Sendebestätigung oder per Email mit Empfangsbestätigung zu senden.

Bei Streit mit dem Anbieter

Kommt es zu weiteren Streitigkeiten mit dem Anbieter, weil dieser beispielsweise die Kündigung nicht akzeptiert und weiterhin Rechnungen stellt, besteht für Verbraucher die Möglichkeit einer außergerichtlichen Schlichtung oder einer gerichtlichen Klärung.

Die Verbraucherschlichtungsstelle Telekommunikation der Bundesnetzagentur hilft, telekommunikationsrechtliche Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Anbietern außergerichtlich beizulegen. Hierbei vermittelt die Verbraucherschlichtungsstelle als neutrale Instanz zwischen beiden Parteien mit dem Ziel, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu erreichen. Das Schlichtungsverfahren ist freiwillig und kostenlos. Am Ende des Verfahrens unterbreitet die Schlichtungsstelle den Parteien einen Einigungsvorschlag, der von den Parteien angenommen oder abgelehnt werden kann. Führt die Schlichtung nicht zum gewünschten Erfolg, hindert dies Verbraucher nicht daran, auch im Anschluss noch ihre Rechte vor Gericht geltend zu machen. Bei einer gerichtlichen Klärung ist jedoch zu beachten, dass zum Thema nicht eingehaltener Internetgeschwindigkeiten noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen vorliegen. Einige Verbraucher haben sich vor Amtsgerichten jedoch schon erfolgreich aus ihren Verträgen herausgeklagt. Verliert der Verbraucher allerdings vor Gericht, muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Wie ist die aktuelle Rechtslage bezüglich Internetgeschwindigkeit?​

Die Geschwindigkeit bei Festnetz-Breitbandanschlüssen ist in Art. 4 Abs. 4 der Verordnung (EU) 2015/2120, der sogenannten EU-Verordnung zur Netzneutralität, geregelt. Danach gilt jede erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung der tatsächlichen Geschwindigkeit oder sonstiger Qualitätsparameter eines Internetzugangsdienstes von der vom Anbieter angegebenen Leistung als nicht vertragskonform.

Am 12. Juli 2017 hat die Bundesnetzagentur eine Konkretisierung dieser Regelungen vorgelegt. Eine nicht vertragskonforme Leistung liegt demnach vor, wenn:

  • nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 % der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht werden,
  • die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 % der Messungen erreicht wird oder
  • die vertraglich vereinbarte minimale Geschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird.

Die Begriffe „normalerweise“ oder „Mindestgeschwindigkeit“ beziehen sich auf die Werte, die Anbieter in ihren Produktinformationsblättern angeben müssen. Anbieter können jedoch beliebige Werte angeben und ihre Produkte mit „Bis-zu“-Angaben anpreisen. Das bedeutet, dass ein Angebot beispielsweise mit "bis zu 100 MBit/s" beworben wird, während sich im Produktblatt der Hinweis findet, dass "normalerweise 84 MBit/s und minimal nur 54 MBit/s zur Verfügung stehen. Es lohnt sich deshalb der Blick ins Kleingedruckte.

Ergebnisse des Jahresberichts zur Breitbandmessung 2018

Am 17. Januar 2018 hat die Bundesnetzagentur ihren zweiten Jahresbericht zur Breitbandmessung (49 MB) veröffentlicht. Der Bericht umfasst den Zeitraum vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September 2017. Für die Auswertung wurden 437.192 valide Messungen von stationären Breitbandanschlüssen (Festnetzanschlüssen) und 245.143 von mobilen Breitbandanschlüssen (Mobilfunkanschlüssen) berücksichtigt.

Zusammengefasst kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg Kunden weiterhin oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde, erreichten. Beim Festnetz haben zwar 71,6 Prozent der Nutzer mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate erreicht (2015/2016: 70,8 Prozent). Die volle Datenübertragungsrate erhielten jedoch im Durchschnitt nur 12 Prozent der Nutzer (2015/2016: 12,4 Prozent). Insgesamt fielen die Ergebnisse bei einzelnen Bandbreiten und zwischen den Anbietern unterschiedlich aus.

Beim Mobilfunk lag das Verhältnis zwischen tatsächlicher und vereinbarter maximaler Datenübertragungsrate noch niedriger. Hier erreichten nur 18,6 Prozent der Nutzer die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate (2015/2016: 27,6 Prozent) und lediglich 1,6 Prozent der Endkunden die volle Datenübertragungsrate (2015/2016: 3,4 Prozent).

Weitere Informationen

Privater Test zur Internetgeschwindigkeit- und Breitbandmessung: https://breitbandmessung.de

Abweichungen bei Breitbandgeschwindigkeiten im Festnetz; Information der Bundesnetzagentur

Telefon- und Internetgeschwindigkeit prüfen; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.


Die Verbraucherschlichtungsstelle Telekommunikation der Bundesnetzagentur ist erreichbar unter:

Bundesnetzagentur
Verbraucherschlichtungsstelle Telekommunikation
Postfach: 80 01
53105 Bonn
Telefax 030 22480-518
Einzelheiten zum Schlichtungsverfahren


Breitbandmessung und Jahresbericht zur Breitbandmessung; Information der Bundesnetzagentur

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